Schnittmuster vergrößern?

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Wisst ihr, wie ich zum Thema „Schnittmuster anpassen“ gekommen bin? Weil es nicht die Schnittmuster für mich zu nähen gab, die ich – dicke Frau, die gerne schöne Kleidung tragen will  –  gerne nähen wollte. Diese Erkenntnis traf mich schon recht früh in meiner Nähkarriere. Plötzlich stellte ich fest, dass es mir beim Nähen ganz genauso geht wie beim Shoppen: ich kann mit meiner Figur einfach nicht in den gleichen Geschäften einkaufen, wie meine Freundinnen. Das ist doch ein großer Mist!

Bestimmte Schnittmuster und Designs gab es einfach nicht in Plus-Size-Größen. Weil ich gewohnt war, die Schuld auf mich zu nehmen, dachte ich, dass es einfach nicht möglich wäre, bestimmte Silhouetten mit meiner Figur zu verwirklichen. „Selbst schuld, was bist du auch so dick!“ dachte ich. Doch ich wollte nicht in diesem Zustand der Selbstbezichtigungen verharren. Wenn ich doch selbst nähe, dann muß es doch auch möglich sein, ein Schnittmuster (selbst) zu erstellen, dass meinen Vorstellungen entspricht und für meine Rundungen passt!

Heute weiß ich, dass genau das geht. Auch dicke Frauen können feine Silhouetten tragen, allerdings funktioniert das meist nicht mit einem schnell-schnell-Nähprojekt mit einem Kauf-Schnittmuster. Eine gute Passform erreichst du zuverlässig nur dann, wenn du ein Schnittmuster zu einem Maßschnittmuster machst. Das gilt für alle Körper, aber für dicke Körper ganz besonders. Deswegen will ich dir erklären, warum das so ist und dir zeigen, wie du es lernen kannst.

Gradieren für Plus-Size ist für Plus-Fortgeschrittene

Ich lernte, dass Schnittmuster mit Sprungwerten gradiert/vergrößert werden und dass es eine magische Grenze irgendwo bei Größe 44 gäbe. Ab da wird es angeblich kompliziert. Dabei liegt es gar nicht an den Sprungwerten! Diese definieren nur, um wieviel Zentimeter die nächste Größe an bestimmten Stellen größer wird und die werden ab Größe 44 einfach anders definiert. Es liegt an der Variabilität dicker Körper.

Drei Frauen mit der gleichen „großen Größe“ können komplett unterschiedlich aussehen, weil sich das „Mehr“ auf ganz unterschiedliche Stellen verteilen kann. Das ist natürlich mit Schnittmustern, die möglichst allen passen sollen, nicht zu lösen. Mein Eindruck ist, dass alles deswegen vor allen Dingen weit gemacht wird. Manche Menschen nennen das kaschieren, ich nenne das „Prinzip Schrotflinte“, denn wenn es weit ist, dann passt es schon irgendwie. Nur richtig gut sieht es leider selten aus.

Die scheinbar einfachen Methoden ein Schnittmuster zu vergrößern, funktionieren leider nicht

Aber wie geht es denn nun, ein Schnittmuster zu vergrößern? Früher dachte ich „ach, wenn ich die Abstände zwischen den Linien des Mehrgrößenschnittmusters kenne, dann kann ich doch einfach weitere Linien im entsprechenden Abstand einzeichnen. Das war gar nicht so leicht, weil Mehrgrößenschnittmuster in der Regel versetzt übereinander liegen und das Ergebnis war leider auch nicht überzeugend.

Genauso wenig war ich erfolgreich damit, Schnittmuster einfach in der Mitte und an der Seitennaht zu vergrößern. Vergrößerte ich an der Mitte, wurden Ausschnitt und Schultern zu groß und vergrößerte ich an der Seitennaht, bekam ich Probleme mit Armloch und Ärmel. Solche scheinbar einfache Methoden führten oft zu stundenlangem Anpassem am halbfertigen Kleidungsstück und manches UFO (unfertige Objekt) wurde niemals fertig gestellt, weil ich eine gute Passform trotz langer Frickelei einfach nicht hinbekam.

Die „größte Größe“ war auch keine Lösung

Es dauerte wirklich eeeeeewig, bis ich verstand, dass meine Passformprobleme bei Plus-Size-Schnittmustern daran lagen, dass ich eine zu große Größe nähte. Nach dem Motto „kleiner machen geht immer“ wählte ich vorsichtshalber eine relativ große Größe oder aber ich nähte einfach die größte Größe, die es gab, ohne nachzumessen oder in eine Maßtabelle zu schauen.

Ich bin noch nicht mal darauf gekommen dies als schlechte Strategie zu entlarven, als ich bemerkte, dass mir meine genähten Sachen grundsätzlich an den Schultern nicht passten. Wie gewohnt maßregelte ich mich, in dem ich mir erklärte, dass meine schmalen, abfallenden Schultern eben daher kommen, dass ich zu wenig Sport mache und zu viel am Schreibtisch sitze. Ich bin einfach nicht darauf gekommen, dass es nicht passte, weil ich eine zu große Größe nähte!

Mehr Weite dort, wo ich sie brauche, statt einfach nur irgendwie größer machen

Dieser ganze Mist hatte glücklicherweise ein Ende, als ich eine Vorgehensweise namens FBA entdeckte und nach längerem Ausprobieren auch richtig verstand. FBA ist eine Methode, die die Ausgangsgröße eines Oberteilschnittmusters aufgrund des Oberbrustumfangs auswählt. Der Oberbrustumfang ist sozusagen das Umfangmaß des Oberkörpers „ohne Brüste“. Ausgeschrieben heißt FBA „Full Bust Adjustment“ und auf deutsch sagt man „kombinierte Weiten und Längenanpassung im Brustbereich“ – wie hätte ich da auch darauf kommen können, dass ausgerechnet die FBA die Lösung für meine Passformprobleme im Schulterbereich ist!

Aber weil ich eben einen großen Busen habe, entdeckte ich irgendwann die FBA und am Anfang erschien sie mir ziemlich kompliziert. Ich machte sie nach der Anleitung von Sewn Sushi aber ich brauchte ziemlich lange, um wirklich zu verstehen, was für ein geniales Werkzeug die FBA ist: mit der FBA füge ich dort Weite für die Brust ein, wo ich sie brauche! Deswegen kann ich auch eine kleinere Größe wählen, denn nun ist nicht mehr der Brustumfang mein entscheidendes Maß, sondern der Oberbrustumfang.

Wenn du weißt, wie das Problem heißt, findest du auch eine Lösung

Der große AHA-Effekt meinerseits war, dass ich irgendwann verstand, dass ich früher nicht den richtigen Namen meines Problems kannte und deshalb auf der Suche nach den falschen Lösungen war. Es ging gar nicht in erster Linie darum, Schnittmuster zu vergrößern, weil es sie nicht in meiner Größe gab. Es ging auch nicht darum, eine Lösung für meine angeblich problematischen Schultern zu finden! Mein Problem heißt schlicht und einfach: ich habe eine große Brust. Und dafür gibt es eine Lösung und die heißt FBA. Und weil mich diese Lösung so begeistert, unterrichte ich sie so gerne, damit noch viel mehr Frauen die gleichen Erfolge mit ihr erzielen wie ich und wirklich verstehen, was in dieser Methode steckt.

Du möchtest lernen, wie eine FBA auch deine Passformprobleme löst? Dann komm ich meinen Onlinekurs. Der nächste Kurs startet am 13.5. 2018. Hast du Fragen zum Kurs? Dann schreibe mir gerne eine Mail an fragen ät crafteln de.

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FBA (Full Bust Adjustment) in einem Onlinekurs lernen

 

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Endlich gibt es ein Datum: seit fast einem Jahr habe ich die Idee, meinen beliebten Kurs „Nichts klafft mehr – mit einer FBA Platz für die Brust schaffen“ auch als Onlinekurs anzubieten, damit auch diejenigen die Möglichkeit haben an dem Kurs teilzunehmen, die nicht im norddeutschen Raum wohnen. In einer betreuten Gruppe über das Internet lernen ist super. Am 13.5. beginnt der Kurs und schon jetzt ist es möglich, dich dafür anzumelden. 

Welche Probleme löst eine FBA?

Mir ist es früher unendlich oft passiert und auch von Kursteilnehmerinnen erfahre ich es immer und immer wieder: Wenn frau eine mittlere bis große Brust hat oder/und eine große Größe trägt, passen auch selbstgenähte Oberteile nicht besonders gut. Insbesondere an den Schultern und am Ausschnitt ist alles viel zu groß. Wenn dann versucht wird die Schultern zu korrigieren, gibt es Probleme mit dem Ärmel und die große Frickelei beginnt. Oder noch schlimmer: wenn Frauen eine größere Brust haben, dann gibt es viele Schnittmuster oft gar nicht in ihrer Größe!

Genau so bin ich zu der Methode FBA gekommen. Ich wollte unbedingt lernen, wie ich Schnittmuster vergrößere um Sachen zu nähen, die meine Freundinnen auch nähten. Ich versuchte die Abkürzungen z.B. Weite an Seitennähten oder der Mitte zuzugeben und merkte, dass das keine effektiven Methoden sind, Schnittmuster anzupassen. Als ich entdeckte, wie ich mit Hilfe der FBA genau dort Weite einfügen kann, wo ich die Weite brauche, waren mit einem Schlag gleich mehrere Probleme gelöst:

  • ich hatte endlich ein Kleidungsstück, dass an der Brust nicht klaffte
  • ich nähte ein Kleidungsstück, bei dem ich an Schultern und Ärmel nichts ändern mußte.
  • ich nähte ein Kleidungsstück, bei dem ich am Rücken fast nichts ändern mußte.
  • mein angepasstes Schnittmuster führte zu einem Kleidungsstück, dass nicht wie ein Vorhang unter der Brust hing, sondern eine schöne Silhouette macht.
  • und nicht zuletzt konnte ich eine kleinere Ausgangsgröße wählen

Am Anfang fand ich die FBA kompliziert, bis ich wirklich verstanden hatte, was ich da tue. Als meine Groschen fielen und ich besser verstand, wie Schnittmuster funktionieren, begann ich mit Schnittmustern zu spielen und aus ihnen genau das zu machen, was ich gerne nähen möchte. Das war ein langer Weg mit vielen Irrungen und Wirrungen. Doch das muß für dich nicht sein, denn ich habe eine Abkürzung für dich, die funktioniert.

Im Onlinekurs lernst du Schritt für Schritt, wie du ein Oberteilschnittmuster zu deinem Maßschnittmuster machst

Im Onlinekurs „Nichts klafft mehr“ zeige ich dir, wie du die richtige Größe für ein Oberteil auswählst, bei der du möglichst wenig anpassen mußt. Ich zeige dir die FBA und du übst an einem DIN A5 Modell. Und dann gehen wir gemeinsam noch einen Schritt weiter: alle Teilnehmerinnen des Onlinekurses bekommen ein Schnittmuster für ein sommerliches Webware-Oberteil von mir, das sie für sich anpassen und dann auch nähen.

Nach dem Onlinekurs hast du:

  • eine Maßtabelle mit deinen Maßen und du weißt, wie du die beste Größe auwählst
  • du weißt, wie du eine FBA durchführst und hast Unterlagen zum Nachschlagen
  • du hast ein angepasstes Schnittmuster, das du anschließend als Schablone verwenden kannst.
  • und du hast ein sichtbares Erfolgserlebnis: ein für deine Maße angepasstes Oberteil für den Sommer.

Klingt gut? Dann melde ich an. Bis Ende April gibt es den Onlinekurs „Nichts klafft mehr“ zum Frühbucherinnenpreis. Ich freue mich auf dich!

Hinter den Kulissen

Ich denke im Moment viel darüber nach, was ich nach dem Buch mache (das natürlich noch nicht fertig geschrieben ist). Welche Themen kommen danach? Was ist mir wichtig? „Schnittmuster anpassen“ ist natürlich wichtig, denn da kann ich ganz konkret helfen, aber worum ging es noch mal und was ist eigentlich der darüberliegende Gedanke?

Im Februar jährte sich einer meiner meistgeklicktesten Blogbeiträge das fünfte mal. In dem Blogbeitrag mit der Überschrift „Nicht mehr dick“ und vielen darauf folgenden Beiträgen im Laufe der vergangenen Jahre beschrieb ich, einen Perspektivwechsel, der für das, was ich nun auch beruflich mache, handlungsleitend ist. Durch das Nähen meiner eigenen Kleidung löste sich mein Problem „dick sein“ in Luft auf, denn das, was mich am meisten an einem guten Leben hinderte, war das Problem, mich schlecht-falsch-hässlich (angezogen) zu fühlen. Als ich dazu in der Lage war, durch das Nähen meine äußere Hülle mit der ich der Welt begegne zu gestalten, hatte ich auf einmal das Problem nicht mehr. Zu dieser Zeit verstand ich, dass Nähen eine unheimlich starke Form der Selbstermächtigung ist. Kleidung selbst zu nähen, macht nicht nur schöner sondern auch deswegen stark, weil frau dabei erlebt, dass sie es selbst in der Hand hat, etwas zu ändern. Manchmal vergesse ich das alles, wenn ich zu viel über die Details von Schnittmustern nachdenke.

Glücklicherweise muß ich diese Gedanken nicht mühevoll im alten Blog suchen, denn ich habe das ja alles in meinem Buch „Nählust statt Shoppingfrust“ geschrieben. Als ich das Buch in den letzten Tagen noch mal las, wurde mir ganz warm ums Herz und ich dachte „ja, davon möchte ich wieder mehr“. Statt mich – auch im Austausch mit euch – nur um Zentimeter und Details zu kümmern, möchte ich wieder das große Ganze mehr im Blick haben. Die Themen Selbstbewusstsein, Körperwahrnehmung und Empowerment gehören doch dazu!

Für mich ist es mittlerweile ganz selbstverständlich geworden, selbstgenähte Kleidung zu tragen und mich schön zu fühlen. Natürlich sind meine selbstgenähten Sachen alles andere als perfekt und auch an meinem Spiegelbild habe ich immer wieder etwas auszusetzen. Aber es ist selbstverständlich für mich geworden, mich nicht mehr abzuwerten. Ich sehe mich und finde mich gut. Nicht immer supergut, aber das wäre ja auch unheimlich. Merkwürdigerweise fehlt es mir, über „das Problem“ zu schreiben, aber das geht natürlich nicht, weil ich es tatsächlich nicht mehr habe. Und dann frage ich mich, wie ich noch mehr Frauen „anstecken“ kann, ähnlich positive Erfahrungen zu machen. Ein Buch, Kurse, in denen ich mein Wissen vermittle, Schnittmuster für „every.body“ schön und gut, ich habe ja einiges zu bieten. Aber was könnte ich noch tun?

Abnäher zusammenlegen

Meine Mailadresse heißt fragen ät crafteln und das ist ernst gemeint. Ich freue mich immer, wenn ich Fragen beantworten und behilflich sein kann, auch wenn ich es nicht immer schaffe, zeitnah zu antworten. Warum ich gerne Fragen beantworte? Nun einer der Gründe ist, dass ich mich langsam zur Fachidiotion entwickele. Das liegt vermutlich am „Buch-im-stillen-Kämmerlein-schreiben“ was sich ganz anders anfühlt als zu unterrichten, denn dann habe ich euch als Gegenüber. Umso schöner, wenn eine Frage kommt, bei der ich mir ganz konkret überlege, wie ich sie beantworten könnte. Damit alle was davon haben, schreibe ich einfach dazu einen Blogartikel. 

Blogleserin Beate frage mich, wie sie Taillenabnäher im Rückteil eines Schnittmusters zusammenlegen könnte. Sie schrieb, dass sie gerne eine Spitzenbluse nähen möchte und ich schloß daraus, dass sie vermutlich das schöne Muster nicht mit den Abnähern „zerstören“ möchte. Spontan antwortete ich „Abnäher sind Freunde“, also Abnäher haben ihren Sinn und Zweck. Es lohnt sich, dafür das Muster in Ruhe zu lassen!

Abnäher bringen ein Kleidungsstück in Form

Ohne Abnäher gibt es keine figurbetonte oder figurumschmeichelnde Kleidung. Ohne Abnäher produzieren wir leider Säcke. Abnäher bringen ein Kleidungsstück in Form, weil sie an einer Stelle den Stoff zusammen nehmen, damit an anderer Stelle mehr Stoff ist.

Im konkreten Fall fragte die Leserin nach Taillenabnähern im Rückteil. Vielleicht kennst du diese senkrechten Abnäher links und rechts von der hinteren Mitte von Etuikleidern. Das sind enge, figurbetonte Kleider, die eben gerade deswegen die Körperform nachzeichnen, weil sie Abnäher haben.

 

Immer dann, wenn wir keinen Sack produzieren wollen, sondern ein wohlgeformtes Kleidungsstück würde ich dazu raten, das Muster zu zerschneiden, auch wenn es weh tut und Abnäher oder Teilungsnähte zu nutzen. Ich würde darauf wetten, dass sich niemand über ein zerschnittenes Muster beschwert, aber viele zur Kenntnis nehmen, dass ein Kleidungsstück gut sitzt.

Mehr Abnäher bringen mehr

Mehr ist mehr! Mit dem umgekehrten Spruch habe ich es nicht so. Mehr Abnäher bringen auch mehr Form. Das liegt daran, dass unser Körper rund ist. Wenn wir nun nur an einer Stelle Weite weg nehmen, damit an anderer Stelle mehr ist, dann kann das komisch aussehen. Eine besonders gute Figur macht ein Kleidungsstück, wenn die Abnäher genau dort sind, wo sie gebraucht werden. Bei der Taillenreduzierung im Rückteil ist das eben nicht (nur) an der Seitennaht, sondern auch „am Rücken“, also in der Mitte und links und rechts daneben. Wenn mehrere Abnäher eingesetzt werden, dann wird über die Rückenbreite verteilt Weite weggenommen. Das macht eine schöne Form, denn mehr ist mehr.

Merke: reduziere die Taille nicht nur an der Seitennaht, sondern dort, wo es wirklich passend für dich ist und das ist ganz bestimmt auch im mittleren Bereich des Rückteils.

Abnäher sind Design

Aber Abernäher sind auch Design. Die Designerin hat sich etwas dabei gedacht, als sie die Abnäher dort platzierte. Neben der reinen Funktion fand sie dieses Detail vielleich auch einfach schön und sagte sich „diese Bluse spendiere ich doch gleich mal vier Rückenabnäher, weil ich das schick finde“. Ich finde Abnäher auch sehr schick und verliebe mich in Designs ganz oft, weil mir die Lage oder der Winkel eines Abnähers besonders gut gefällt. Das ist auch der Grund, wieso ich gerne Schnittmuster anpasse und nicht selbst konstruiere: auf manche Sachen komme ich einfach nicht. Wie gut, dass es Profis dafür gibt!

Ihr seht schon, ich bin ein Fan von Abnähern und wollte der Leserin, die mir die Frage stellte auf jeden Fall dazu raten, nicht auf die Abnäher zu verzichten. Dann las ich die Mail noch ein weiteres Mal und stellte fest, dass sie Abnähern gegenüber aufgeschlossen war, aber eben nicht unbedingt vier Abnäher haben wollte. Sie wollte links und rechts der hinteren Mitte aus zwei Abnähern einen machen. Gut, damit kann ich leben und glücklicherweise ist das ja auch ganz einfach.

Abnäher zusammenlegen

Komme ich nun also endlich zum Kern der Sache. Wie legst du Abnäher zusammen um aus zwei Abnähern einen Abnäher zu machen? Kein Problem: du misst den Abnäherinhalt beider Abnäher an der breitesten Stelle aus, addierst die beiden Abnäherinhalte und suchst dir einen neuen Ort für den neuen, größeren Abnäher. Dieser Ort könnte genau zwischen den beiden im Schnittmuster vorgesehenen Abnähern sein.

„Könnte“? Ja, könnte. Das schrieb ich deswegen, weil die Erklärung zwar korrekt ist, ich es aber trotzdem anders machen würde.

Mach die Abnäher so, wie du sie brauchst!

Zunächst würde ich erst einmal kontrollieren, ob die Höhe der Abnäher für mich vorteilhaft ist. Der breiteste Punkt des rautenförmigen Taillenabnähers sollte an der Taille liegen. Aber wo ist die Taille? Die Taille ist entweder die schmalste Stelle deines Körpers oder die Stelle, an der die Taillienrundung eines Kleidungsstücks für dich schön wäre, selbst wenn dort ein paar Pölsterchen an deinem Körper wohnen. Ein Kleidungstück kann deine Silhouette modellieren und du darfst bestimmen, wo die Taille ist. Also lege die Taille mit einem Gürtel fest und lass dir von jemand die Rückenlänge entweder an der hinteren Mitte oder aber von der Schulter bis zur Taille messen. Dann überprüfst du, ob die Rückenlänge des Schnittmusters für dich gut ist und zeichnest die optimale Taillenlage für dich im Schnittmuster ein. Dort muß dann die breiteste Stelle des Abnähers liegen.

Als nächstes lässt du den hinteren Taillenumfang messen und kontrollierst den hinteren Taillenumfang im Schnittmuster. (Von Seitennaht zu Seitennaht auf der Höhe der Taille gemessen.) Damit du keine Wursthaut nähst, addierst du etwas Bequemlichkeitszugabe zu deinem hinteren Taillenumfang hinzu. Wieviel das ist, das kommt auf den Stoff und deine Vorlieben an. Dann kannst du berechnen, wie breit der Taillenabnäher sein sollte, damit er für dich bequem und schick ist. Vielleicht begradigst du die Taillenrundung oder zeichnest sie komplett neu ein, weil die Delle für dich sowieso nicht an der richtigen Stelle liegt. Vielleicht errechst du auch nur einen minimalen Abnäherinhalt (weil du eben kein Hohlkreuz hast) und überlegst, ob es sich überhaupt lohnt, Abnäher zu nähen. Vielleicht hast du so viel Abnäherinhalt, dass du diesen lieber auf vier statt auf zwei Abnäher verteilst. Wer weiß! Es ist dein Körper und dein Nähwerk – du bist die Designerin!

Ganz einfach geht es mit einer Naht in der hinteren Mitte

Hat ein Schnittmuster eine Naht an der hinteren Mitte, dann kannst du eine Anpassung auch ohne zusätzliche Abnäher machen. Du passt das Schnittmuster oder  das Kleidungsstück nach dem Zusammennähen einfach an der hinteren Mitte an. Damit verteilst du zwar nicht die Weitenmanipulation auf wahnsinnig viele Stellen, aber immerhin auf drei: hintere Mitte und links und rechts an der Seitennaht. So geht es schnell und einfach. Das ist der Grund, wieso so viele unserer Schnittmuster eine Naht an der hinteren Mitte haben z.B. der Stadtmantel, das Ninjashirt, das Knitterkleid und das Tulpentop. Mit einer Anpassung an der Taille machst du von hinten immer eine gute Figur!

Du findest es spannend Schnittmuster anzupassen, weißt aber noch nicht so recht wie es geht oder traust dich nicht? Wenn du keinen Blogartikel mehr zum Thema verpassen und zu meinen Kursen eingeladen werden möchtest, dann melde dich für meinen Newsletter an. 





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Ich lieb den Frühling – Challenge

Einladung zur Frühlings-Challenge

Geht es dir wie mir: große Frühlingssehnsucht aber noch keine konkreten Ideen für die Frühlingsgarderobe? Dagegen gibt es die „Ich lieb den Frühling“-Challenge, die dir hilft, endlich loszulegen und für die wärmeren Jahrezeiten zu nähen. 

Ich bewundere alle Menschen, die antizyklisch nähen können. Wenn ich friere, kann ich mir partout nicht mehr vorstellen, wie es sich anfühlt zu schwitzen. Obwohl ich absolut keine Strumpfhosen mehr ertragen kann, kann ich es mir genauso wenig vorstellen, wie es ist, warmen Wind an nackten Beinen zu spüren. Ich kann meine Winterklamotten nicht mehr sehen, aber ich weiß noch nicht wirklich, was ich mir für den Frühling und Sommer nähen möchte.

Lasst uns gemeinsam Nähpläne für den Frühling schmieden!

Es geht doch nichts über Inspiration und Feedback. Lasst uns unsere Ideen austauschen, uns gegenseitig inspirieren und zu realistischen Plänen verhelfen.

Melde dich zur Challenge an

  • und du bekommst von Karfreitag bis Ostermontag morgens eine Mail von mir mit einer kleinen kreativen Aufgabe, die dich deiner Frühlingsgarderobe ein Stück näher bringt.
  • wir tauschen uns in der crafteln-Facebookgruppe aus, um noch buntere Träume zu bekomme, die auch realisierbar sind.
  • als besonderes Goodie bekommst du in der täglichen Mail einen Rabattcode für ein Schnittmuster von crafteln zum saftigen Frühlingsrabatt für diesen Tag.

Lust auf Frühling? Dann lass uns gemeinsam den Frühling herbei nähen!

*klick* Hier kannst du dich zur Challenge anmelden, bekommst von Freitag bis Montag von mir eine Mail mit der jeweiligem Tagesaufgabe und dem Goodie.

ACHTUNG: Bist du schon auf meinem Newsletterverteiler und bekommst Freitags Post von mir? Dann funktioniert die Challenge-Anmeldung manchmal rätselhafterweise nicht. Dann melde dich besser über diesen Link zur Challenge an. 

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Besuch auf der Handarbeitsmesse h+h 2018

Vergangenes Wochenende war ich auf der Handarbeitsmesse, der h+h in Köln. Eigentlich ist die h+h eine Händlerinnenmesse, das heißt, die Produzentinnen und Großhändllerinnen von Material und Werkzeug zeigen ihr Produktsortiment und die Material-Einzelhändlerinnen kaufen dort ein. Aber natürlich ist so eine Messe noch viel mehr. Die h+h ist ein Branchentreffpunkt und somit ein „place to be“ für alle, die irgendetwas professionell mit dem Thema Handarbeiten unternehmen. Da mußte ich also auch hin. Dieses Jahr war es mein zweiter Besuch dort. 

Letztes Jahr mußte ich überall schauen und anfassen, weil ich einfach so fasziniert von dem Angebot an Wolle, Stoff, Kurzwaren, Nähmaschinen und und und war. Dieses Mal war das glücklicherweise nicht mehr so, denn vieles kannte ich vom Vorjahr, so dass ich nicht mehr ganz so viel staunte und viel mehr Zeit hatte, mich auf die Menschen auf der Messe zu konzentrieren. Ich war sowieso nicht in Einkäuferinnen-Mission unterwegs. Mit meinem kleinen aber feinen Stoff– und Kurzwarensortiment hier im Schnittmusterkiosk und den entsprechenden Lieferantinnen bin ich zufrieden. Ich hatte gar kein Bedürfnis nach Neuheiten Ausschau zu halten.

Lillesol und Pelle sowie ki-ba-doo hatten einen Stand auf der h+h. Respekt!

Einen besonderen Augenmerk wollte ich bei meinem Messebesuch darauf richten, wie sich Independent-Schnittmusterverlag auf der Messe präsentieren. Mit „Independent“ meine ich, dass eben kein großer Konzern hinter dem Verlag steht, der ganze Betrieb nur von wenigen Personen arbeitsmäßig aber auch finanziell gestemmt wird und ein Motiv leitend ist, etwas zu bewegen, die Welt mit den eigenen Produkten zu bereichern. Mich interessierte wie die, die schon ein paar Jahre länger im Geschäft sind, sich auf der Messe zeigen und war sehr erstaunt darüber, nur Lillesol und Pelle sowie ki-ba-doo zu entdecken. Wo sind die ganzen anderen?

Wenn ich Schnittmuster google, dann komme ich zu unzähligen Anbieterinnen? Läuft das alles nur vom sprichwörtlichen Küchentisch zuhause über die digitale Verkaufstheke als E-Book? Mir ist schon klar, dass so ein Messestand viel Geld, Zeit und Kraft kostet, denn ich komme aus einem Familienunternehmen und das Thema Messe ist mir sehr vertraut. Ich staunte trotzdem, wie wenig die Schnittmusterbranche auf der Messe sichtbar war. Wieder fragte ich mich, warum wir Independent-Verlage uns nicht einfach zusammen tun. Es müsste doch hinreichend Unterschiede zwischen unseren Angeboten geben, so dass jede ihre Zielgruppe findet. Wie fruchtbar wäre es, gemeinsam den großen nächsten Schritt zu gehen um sichtbarere zu werden und noch mehr Menschen zu erreichen!

Treffen mit Kolleginnen auf der h+h Handarbeitsmesse

Glücklicherweise bin ich ja bereits gut vernetzt mit Kolleginnen, die genauso wie ich von einer Mission erfüllt sind und ihren Weg Schritt für Schritt gehen. Es war toll, Elle Puls und Pepelinchen sowie Frau Nahtzugabe und die Komplizin zu treffen, sich die Zeit zu nehmen, in Mitten des hektischen Messetrubels sich hinzusetzen und konzentriert die Beobachtungen auf der Messe auszutauschen, Strategien zu besprechen und sich wertvolles Feedback zu geben. Ganz zu schweigen von den neuen Ideen und #geheimgeheim Sachen, die ich an dieser Stelle noch nicht ausplaudern möchte. Gemeinsam sind wir stark. Daran glaube ich ganz fest.

Auf der Messe habe ich natürlich auch meine Kooperationspartnerinnen getroffen. Zum Beispiel bestaunte ich die neue Overlockmaschine mit Lufteinfädelung, die elna im Herbst auf den Markt bringen wird. Ein schickes Ding! Aber richtige Herzklopfen bekam ich vom elna Lotus Jubiläumsmodell. Ein Traum in weiß rot! Wenn ich es schaffe, mir etwas mehr Freizeit freizuschaufeln und endlich mal wieder regelmäßig an Nähkränzchen teilzunehmen, dann will ich unbedingt so eine Lotus als Zweit-Nähmaschine haben. Das nächste Ding, das ich bestaunte, war lustigerweise auch rot-weiß: das neue Magazin von Lillestoff. Ich finde es immer großartig, wenn mutig ein Schritt weiter gegangen und etwas Neues ausprobiert wird und bin gespannt, wie sich das entwickelt.

Die neue elna Lotus – Fachsimpeln fürs neue Buch am Stand von EMF

Nicht zuletzt war ich natürlich auch bei EMF, der Verlag, der im Oktober mein neues Buch herausbringen wird. Ich streichelte die Neuerscheinungen und malte mir aus, wie mein Buch daneben liegen wird. Und dann kam der große Moment, als meine Lektorin mir den ersten Entwurf für den Buchumschlag zeigte! Wir besprachen noch einige Details und es fühlte sich einfach großartig an, das wir unsere Kompetenzen zusammen werfen und am gleichen Strang ziehen. Das wird ein tolles Buch – ich kann es kaum erwarten!

Die bezauberndste meiner bezaubernden Assistentinnen Frau Masulzke begleitete mich über die Messe und unterstützte mich, wo sie nur konnte, zum Beispiel, in dem sie die ganzen Fotos machte. Aber was ich noch viel wertvoller finde: Frau Masulzke hat noch keinen verstellten Profi-Blick, sondern schaut mit den Augen einer Kundin. Das ist so wertvoll für mich, an ihrem Blick auf die Messe teilhaben zu können! Aber leider habe ich kein Foto für dich. Vor lauter Trubel haben wir vergessen, ein Foto von uns beiden zu machen.

Der Abschluss meines Messebesuchs war das Bloggerinnentreffen bei der Initiative Handarbeit. Zunächst war ich unsicher, ob das überhaupt eine Veranstaltung für mich wäre, bin ich nicht mittlerweile ein merkwürdiges Hybrid aus Bloggerin und Unternehmerin? Pass ich in diesem Übergangsstatus auf so ein Treffen? Ich wurde beruhigt und herzlich willkommen geheißen, denn was ist schon eine „richtige Bloggerin“? Ich fand den Branchenüberblick, den wir als Vortrag hörten, sehr spannend, mein Highlight daraus: Erwachsenenkleidung für sich selbst zu nähen, ist alles andere als ungewöhnlich. Anscheinend reißt der DIY-Trend nicht ab, sondern bleibt stabil auf einem hohen Niveau. Das ist doch schön! Dann kann ich ja auch nächstes Jahr wieder zur h+h.

Genauso k.o. fühlte ich mich am Ende der h+h :vollgepackt mit Eindrücken, Trends und Ideen

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Oder doch lieber ein Ninja mit Kapuze?

Hast du  meinen Schnittmusterhack zum Ninjashirt gesehen? Ich finde, das ist eine tolle Variationsmöglichkeit für das Schnittmuster, das ja ohnehin schon als Kleid und als Shirt wunderbar funktioniert. Einfach die Kapuze abschneiden. So simple und doch so wirkungsvoll. 

Lustigerweise wurde ich dann gestern gefragt, warum ich bei meinen anderen Ninjakleidern – die  ich bevor ich die Option das Schnittmuster zu verändern endeckte nähte – die Kapuze nicht abschneide. Gute Frage! Ich, die früher hartnäckig gegen Kapuzen war, finde das nun bei dickeren Jerseys ganz angenehm, etwas am Hals zu haben. Das schwarze und das rote Ninjakleid sind solche Kuschelkleider in denen ich mich ganz gerne mal verstecke. Auch wenn ich die Kapuze niemals in der Öffentlichkeit aufsetzen würde, ist es irgendwie tröstlich zu wissen, dass ich sie habe. Ich ziehe die Kleider zum Beispiel gerne als Reisekleider an und denke, wenn mich die Mitreisenden im Zug zu sehr nerven, dann ziehe ich mich in meinen Kokon zurück.

Oder wenn ich im Frühling keine Lust mehr auf Schal habe, dann ist so eine Kapuze auch prima, um wenigstens ein bisschen was am Hals zu haben. Sooo schlecht ist es also doch nicht, ein Ninjakleid mit Kapuze zu haben.

Was meinst du? Bist du eher „Team Kapuze“ oder „Team-ohne-Kapuze“?

Ninjakleid, Foto: Monika Lauber

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Hack das Ninjashirt

 

Wenn ich mit Melinda Stokes, der Designerin von stokx, deren Designs ich so gerne nähe und trage zusammen bin, muß ich immer ganz genau hinhören, weil manchmal haut sie so Dinger zwischen den Zeilen raus, die bei mir eine Weile brauchen, bis der AHA-Effekt eintritt. So auch mit diesem Ninjahack. 

„Schneide doch einfach die Kapuze ab“, sagte sie bestimmt dreimal zu mir, weil ich eigentlich überhaupt keine Freundin von Kapuzen war, bevor ich das Ninja-Schnittmuster für mich entdeckte. Ich mußte echt überredet werden, mir das Ninja-Design genauer anzuschauen.  Nun gut, Hoodies sind sehr beliebt, aber in meinem Leben kamen sie vor dem Ninja nicht vor. Schließlich probierte ich das Ninja doch für mich aus, ließ mich von der Cleverness des stokxschen Designs bezaubern und machte das Ninjashirt zu einem Schnittmuster. Zu Recht, denn das Ninja ist sehr beliebt bei euch, was mich natürlich sehr freut.

 

Es brauchte fast ein Jahr, bis ich dem Rat folgte, einfach mal die Kapuze abzuschneiden

Meine zwei Ninjakleider mit Kapuze trage ich wirklich oft. Insbesondere an Tagen, an denen mich die Welt in Ruhe lassen soll, ziehe ich ein Ninjakleid aus dem Schrank. Es macht mich stark und ich höre auf, innerlich zu knurren, weil ich mich sozusagen in das Ninja zurückziehen kann. Deswegen mußte Frau stokx mich noch mal ausdrücklich darauf hinweisen, es mal mit einem Ninja-Hack zu versuchen.

Hurra! Binnen einer Woche hatte ich zwei neue Lieblinge im Schrank, denn noch lieber trage ich meine beiden blauen Ninjakleider mit den abgeschnittenen Kapuzen. Die gefallen mir richtig gut und sind perfekt für Tage, an denen ich zwar gerne eine Jogginghose ein muckeliges Kleid ins Büro anziehe, aber dabei guter Laune bin.

So geht der Ninjashirt und Ninjakleid Hack

Schau dir das Vorderteil mit der angeschnittenen Kapuze an: An der vorderen Mitte ist der Halsausschnitt sehr hoch, denn diese fällt ja als Wasserfallausschnitt. Schneide genau auf der Höhe, an der das Halsloch für die Kapuze anfängst, im rechten Winkel zur vorderen Mitte die Kapuze ab.

Für den festen hellblauen Jersey, den ich verwandete, versäuberte ich die obere Kante des nun entstandenen Kragens, dann nähe mit ein paar Handstichen die hintere Kragenkante an der Nahtzugabe der Kragenansatznaht fest. Die vordere Kante schlage ich nur locker um.

Statt den Kragen umzuschlagen, kannst du die Kragenoberkante auch mit einem Bündchen abschließen. Dann sieht es so aus, wie auf dieser technischen Zeichnung. Diese Variante werde ich auf jeden Fall noch mal für den Frühling aus Viskosejersey probieren, aber statt eines Bündchens, einen Streifen Viskosejersey als Abschluß annähen.

 

Technische Zeichnung: Melinda Stokes

Es ist so einfach und es wirkt auf einmal ganz anders! Du hast nach wie vor ein Shirt, Pullover- oder Kleidschnittmuster für Jersey oder Sweat, das durch seinen Wasserfallausschnitt und seine leichte Taillierung fraulich wirkt, ohne damenhaft zu sein.  Probiere es aus, ich bin sicher, du wirst genauso begeistert sein, wie ich. Hier geht es zum Schnittmuster *klick*.

 

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Eine Kimonobluse nähen … Teil 3

Eine Kimonobluse oder ein Kimonokleid näht sich nicht mal eben so. Im Vergleich zu einem Shirt ist da richtig viel zu tun. Aber ich finde, der Aufwand lohnt sich. Weil ich so begeistert von meiner neuen Kimonobluse bin, lade ich dich dazu ein, mir in einer kleinen Blogserie – dies ist schon der dritte Teil –  beim Nähen über die Schulter zu schauen. 

(Werbung) Die Kimonobluse ist nun fast fertig. Es fehlen „nur noch“ die Knöpfe und die Knopflöcher. Ich schreibe das „nur noch“ in Anführungszeichen, weil ich weiß, dass genau dieser Schritt für viele Näherinnen der blanke Horror ist. So schrecklich finde ich diesen letzten Schritt nicht, aber ich gebe zu, ich bin dabei auch aufgeregt, weil ich Angst habe, das fast fertige Stück zu ruinieren. Dabei sind Knopflöcher gar nicht so schlimm. Die allemeisten Nähmaschinen können Knopflöcher nähen und meine wunderbare elna excellence 780 kann das wirklich super. Weil ich mich in diesem Beitrag oft auf die elna beziehe und weil ich meine Nähmaschine von meinem Kooperationspartner elna zur Verfügung bestellt bekam, bezeichne ich diesen Beitrag der Ordnung halber mit Werbung.

Knopflöcher mit der Hand oder mit der Maschine nähen?

Für mich ist das keine Frage. Natürlich nähe ich die Knopflöcher mit meiner Nähmaschine! Ich weiß, besonders feine Kleidungsstücke verdienen handgenähte Säume und überhaupt ganz viele Details, die mit der Hand genäht werden. Aber wir wollen die Kirche doch auch mal im Dorf lassen, schließlich sind wir keine Maßschneiderinnen und wollen irgendwann mit dem Kleidungsstück auch mal fertig werden. Seit ein paar Jahren nähe ich tatsächlich bei den meisten Kleidern und Röcken den Saum mit der Hand an, aber bei der Kimonobluse ist das wirklich nicht nötig – auch in der Kollektion stokx wird der Saum sichtbar mit der Maschine genäht. Und ganz ehrlich, würde ich meine Knopflöcher mit der Hand nähen, währen sie nicht annähernd so perfekt, wie mit der Nähmaschine.

Knopflöcher mit der Nähmaschine sind ein Kinderspiel!

Vorneweg: Wenn du gerade am überlegen bist, ob du eine Kimonobluse oder ein Kimonokleid nähen willst und nun erst auf die Idee kommen könntest, das Knopflöcher schwierig sind, obwohl da vorher noch nie darüber nachdachtest, dann fang mit den Sorgen auch gar nicht erst an. Es ist vor allen Dingen deswegen sogar relativ leicht machbar, weil du mit ganz großer Wahrscheinlichkeit dein Kleid oder deine Bluse aus einem „freundlichen Stoff“ nähst. Mit „freundlichem Stoff“ meine ich, dass das ein Stoff ist, der sich recht gut zuschneiden, stecken und nähen lässt wie die meisten Blusenstoffe. Genau solche Stoffe sind perfekt, um Knopflöcher zu üben.

Außerdem gibt es Einlage. Einlage gehört zu nette kleine Helferlein, die uns das Leben leichter machen. Auch wenn das Aufbügeln von Einlage oftmals wie ein lästiger Zwischenschritt erscheint – ich kann es nur Empfehlen.

Mit Einlage die Knopfleiste verstärken

Einlage? Das ist eine extra Schicht Stoff oder Vlies, das auf den Stoff gebügelt wird, um ihm mehr Stabilität zu verleihen. Einlage gibt ohne und mit Klebstoff, der durch Bügeln aktiviert wird. Die Klebstoffseite erkennst du daran, dass sie glänzt oder du kleine Pünktchen fühlen kannst. Manche Näherinnen nennen Einlage auch Vlieseline. Vlieseline ist ein Markenname einer Einlage – du kannst auch jede andere Einlage der gleichen Stärke eines anderern Herstellers verwenden, die nicht Vlieseline heißt. Das ist so wie Tempotaschentuch, es hat sich halt einfach eingbürgert.

Schon im ersten Teil meiner kleinen Blog-Serie über das Kimonokleid hatte ich geschrieben, dass ich das mittlere Schnittteil mit dem Kragen und der angeschnittenen Knopfleiste mit Einlage verstärkte und fein darauf achtete, die Einlage auf die richtige Seite zu bügeln. Weil ich gerne effizient vorgehe,  weiß ich clevere Lösungen zu schätzen, deswegen bin ich großer Fan von bereits zugeschnittenen Einlagestreifen, die es als Meterware auf der Rolle zu kaufen gibt. Wenn ich so etwas sehe, schlage ich immer zu und selbst wenn diese Einlage nicht die richtige Breite hat, kann ich zwei Streifen nebeneinander bügeln oder einen breiten Streifen in der Mittel teilen. Das geht immer noch schneller, als Einlage zuschneiden.

Für die Knopfleiste reicht eine leichte Einlage. Als Faustregel habe ich: je leichter der Stoff, desto feiner die Einlage. Wir wollen kein hartes Brett auf die Brust bügeln, aber etwas Verstärkung für Knöpfe und Knopflöcher ist schon gut. Diese leichte Einlage heißt, wenn kein Markenname oder eine Nummer dafür angegeben ist „Einlage für leichte Stoffe“ und ist nicht gewebt (wie zum Beispiel Bügelleinen) sondern ein gepresstes Vlies. Wenn du beim Kauf das Gefühl hast, das die Einlage für die du dich entschieden hast, nicht stabil genug sein könnte, dann kannst du sie trotzdem zunächst einmal aufbügeln. Der Stoff der Knopfleiste liegt ja doppellagig und bekommt dementsprechend auch auf jede Seite Einlage aufgebügelt. Sollte dir die Knopfleiste dann immer noch nicht fest genug sein, bügelst du einfach noch eine Schicht Einlage darüber und näherst dich auf diese Weise Schritt für Schritt dem für dich perfekten Ergebnis.

Weil ich Knopflöcher immer übe, habe ich mir eine kleine Übungs-Knopfleiste aus einem Reststück meines Stoffes geschnitten, diese genauso mit Einlage verstärkt und umgebügelt.

Verschiedene Knopflöcher

Je schicker die Nähmaschine, desto mehr Knopflöcher hast du auch zur Auswahl. Meine elna excellence 780 hat tatsächlich 11 verschiedene Knopflöcher! Dann hilft am besten ein Blick in die Bedienungsanleitung der Nähmaschine, denn dort wird beschrieben, für welche Kleidungsstücke bzw. Materialien sich die jeweiligen Knopflöcher eignen.

Da ich einen leichten Blusenstoff für meine Kimonobluse verwendete, entschied ich mich auch für einfache Bluseknopflöcher. Die Baumwollwebware für meine Bluse ist unkompliziert, kein leichtes flutschiges Zeug wie Chiffon oder Seide, aber eben auch kein fester oder wolliger Jackenstoff. Ein Standardknopfloch ist für diesen Stoff genau das Richtige. Trotzdem wollte ich natürlich verschiedene Knopflocharten auf meiner Übungsknopfleiste ausprobieren.

In der Bedienungsanleitung meiner elna excellence 780  las ich auch, dass es möglich wäre, ein Knopfloch zweimal hintereinander zu nähen. Das fand ich eine gute Idee und probierte es natürlich aus. Da das Knopfloch programmiert ist, schafft die Maschine es tatsächlich, den gleichen Weg zweimal abzufahren und somit ein doppelt so festes Knopfloch zu nähen. Das ist schon klasse. Ich fand, das das doppelt genähte Knopfloch noch mal ordentlicher aussah, entschied mich letztlich aber doch für die einfache Version, da ich das doppelte und sicher noch strapazierfähigere Knopfloch zu steif für meinen Blusenstoff fand.

 

Knopfloch mit der Maschine nähen

Aber wie näht so eine Nähmaschine eigentlich ein Knopfloch und woher weiß sie, wie groß es sein muß? Meine elna excellence 780 hat, dafür einen Knopflochfuß, bzw. eine Knopflochschiene. Diese wird anstelle des normalen Nähfüßchens eingebaut, nachdem im hinteren Teil vorher der vorher ausgewählt Knopf eingespannt wird. Durch das Einspannen des Knopfes erkennt die Maschine, wie groß das dafür geeignete Knopfloch sein muß. Du mußt also nichts anderes machen, als die Position deines Knopfloches auf dem Kleidungsstück markieren, den Stoff unter das Füßchen zu legen und auf Start zu drücken. Mit den Händen kannst du dabei den Stoff leicht führen, aber eigentlich macht die Nähmaschine das alles von alleine.

Meine elna excellence 780 näht zuerst eine Linie im Geradstich und dann darüber einen engen Zickzack, der die Außenkante des Knopfloches darstellt. An den äußere Enden des Knopfloches wird dieses mit einer Reihe von größeren Zickzackstichen am selben Ort verrriegelt. Anschließend wird die andere lange Kante des Knopfloches genäht und das gegenüberleigende Ende verriegelt.

Knopflöcher mit der elna excellence 780 nähen from crafteln on Vimeo.

Als ich das Video auf Instagram zeigte kam die Rückmeldung „Boah, du nähst die Knopflöcher aber in einem rasenden Tempo“ – ja, aber warum denn nicht? Ich habe das doch vorher auf meiner Probeknopfleiste geübt und dabei gemerkt, wie solide die elna das näht. Dann kann ich auch ordentlich Gas geben 🙂

Knopflöcher trennen

Bei meiner Kimonobluse mußte ich kein Knopfloch wieder auftrennen, weil mit der automatischen Knopflochfunktion meiner elna auf Anhieb alles genau so klappte, wie ich es wollte. Aber es kann schon mal passieren, das etwas schief geht. Vielleicht hast du das Knopfloch nicht gut angezeichnet, den Stoff nicht gerade angelegt, vielleicht hat deine Nähmaschine aber auch einen schlechten Tag und näht ganz und gar merkwürdige Dinge. Dann mußt du nicht verzweifeln, denn du kannst ein Knopfloch immer wieder auftrennen, bis es so gut ist, dass es dir gefällt.

Zugegeben, es ist etwas mühsam, die engen Nähte aufzutrennen und nicht jeder Stoff ist freundlich und entgegenkommend. Aber mit etwas Geduld und Spucke bekommst du jedes Knopfloch ordentlich wieder aufgetrennt und kannst einen neuen Versuch starten. Ich rate aber trotzdem dazu, mindestens ein Knopfloch auf einem Probestückchen des gleichen Stoffes zu probieren, um im Vorfeld zu prüfen, ob Tücken auf dich warten.

Doch meistens ist es eher unsere Aufregung. So schwer sind Knopflöcher wirklich nicht zu nähen. Diese modernen Nähmaschinen sind wirklich eine große Hilfe dabei und das fertige Kleidungsstück sieht mit Knopflöchern und mit schönen Knöpfen einfach toll aus. Ehrlich gesagt nähe ich sogar Knopflöcher und Knöpfe an Kleidungsstücke, die ich über den Kopf anziehe und gar nicht öffne, nur weil es klasse aussieht. Natürlich könnte ich auf so eine Fake-Knopfleiste auch nur die Knöpfe aufnähen, aber mit Knopflöchern finde ich es noch besser.

 

Knöpfe positionieren

Obwohl auf dem Schnittmuster der Kimonobluse Knopflöcher angezeichnet sind, nutze ich diese nicht sondern mache ich meine Knopflöcher, wo ich sie will. Die Knopflöcher sind auf dem Schnittmuster, weil es die Kimonobluse schon länger in der Kollektion stokx gibt. Für fertige Kleidungsstücke, die du im Laden kaufen kannst, ist es natürlich sinnvoll, die Position von Knopflöchern vorher zu definieren. Aber du als Hobbyschneiderin nähst dir maßgeschneiderte Kleidung, da ist es viel besser, selbst zu entscheiden, wo für dich die Knopflöcher optimal sind.

Ich muß meine Knopflöcher auch selbst positionieren, weil ich ja, wie in Teil 1 der Blogserie beschrieben, den Brustpunkt etwas tiefer gelegt habe. Der wichtigste Knopf soll an der stärksten Stelle der Brust (oder ganz leicht darüber) sitzen. Es ist am einfachsten diese Stelle zu bestimmen, wenn die Bluse schon so gut wie fertig genäht ist und du sie überziehen und einmal an der vorderen Mitte zusammenstecken kannst. Der Abstand zu den weiteren Knopflöchern ergibt sich aus der Länger der Knopfleiste und der Anzahl der Knöpfe. Ich mag lieber viele kleine als wenige große Knöpfe und nähe meist so viele Knöpfe an, wie ich habe. Der Vorteil von vielen Knöpfen ist, dass es nicht nur hübscher aussieht, sondern auch besser schließt, weil die Knopfleiste an mehreren Punkten verbunden ist. Gerade bei einem üppigen Busen und einem auf Figur geschnittenen Kleidungsstück ist das auf jeden Fall von Vorteil. Über das zuerst definierte Knopfloch setze ich mindestens einen weiteren Knopf.

Eine Damenbluse wird „rechts auf links“ geschlossen. Ich markiere also den ersten Knopf an der stärksten Stelle der Brust auf Knopfleiste der linken Vorderseite meiner Bluse und berechne dann den Abstand der anderen Knöpfe. Ich zeichne diese Positionen nicht mit Kreide an, sondern mit einer im 90 Grad Winkel zur Knopfleiste gesteckten Stecknadel, auf der Seite, auf der die Knöpfe auch angenäht werden.

Die Knopflochlänge kenne ich von meinen Probeknopflöchern. Da der Knopf später in der Mitte des senkrechten Knopfloches sitzen soll, halbiere ich die Knopflochlänge und weiß somit, wo die Unterkante des Knopfloches liegen muß. Wenn ich die Positionen der Knöpfe auf die Seite der Knopfleiste für die Knopflöcher übertrage, markiere ich die untere Kante des Knopfloches, also die Startposition von der aus die Nähmaschine losnäht. Auch die Position der Knopflöcher, bzw. die Unterkante des Knopfloches, markiere ich nicht mit Kreide, sondern mit einer schräg gesteckten Stecknadel. Da Kreide oft einen zu dicken Strich gibt (und auch anschließend wieder entfernt werden muß) finde ich es präziser, die Position mit einer dünnen Stecknadel zu markieren.

Senkrechte Knopflöcher sollen genau auf der Mitte der Knopfleiste sitzen, je nach Breite einer Knopfleiste finde ich diese Mitte manchmal nicht durch die Breite des Füßchens oder die Hilfslinien auf der Stichplatte. Dann markiere ich sie natürlich mit Kreide. Bei der Kimonobluse war das nicht nötig, deswegen reichte mir die Markierung für den Startpunkt des Knopfloches.

Senkrechte oder waagrechte Knopflöcher?

Bei Damenblusen macht man senkrechte Knopflöcher, nur das am Kragensteg sollte waagrecht sein. Einen Kragensteg gibt es bei der Kimonobluse nicht, also senkrechte Knopflöcher.

Senkrechte Knopflöcher sollen die Bewegungsfreiheit des Knopfes einschränken. Die Knopfleisten sollen bei schicken Blusen und Hemden möglichst genau aufeinanderliegen. Bei Mäntel und Jacken sind sie aber waagrecht, denn ein gewisser Bewegungspielraum ist bei diesen Kleidungsstücken nötig. Dafür wird dann auch auf allzeit perfekte Optik verzichtet. Und vielleicht hast du schon mal Herrenhemden  gesehen, dass das unterste Knopfloch auch waagrecht ist. Vermutlich wird das so gemacht, damit der Knopf über dem Bauch nicht abreißt. Da die Kimonobluse ohnehin eine Long-Bluse ist, ist dies Funktion nicht nötig.

 

Knopflöcher aufschneiden

Am Schluß kommt das dramatische Finale: das Aufschneiden der Knopflöcher. Aber auch das ist weit weniger schlimm als befürchtet, wenn du den Trick mit der Stecknadel kennst. Wie du auf dem Foto erkennen kannst, sichere ich die Enden des Knopfloches, über die ich keinesfalls hinausschneiden will mit einer quergesteckten Stecknadel. Sollte ich das Messer des Auftrenners zu schwungvoll ansetzen, wird dieses kurz vor dem Ende des Knopfloches gestoppt. Ich beginne damit das Knopfloch genau in der Mitte anzustechen und erst einmal zur einen Seite zu schneiden. Dann drehe ich das Knopfloch um 180 Grad und schneide in die andere Richtung. Das geht wirklich leicht so!

Sollte doch etwas schief gegangen sein und sind statt der Knopflöcher ein Finger aufgeschnitten, dann gibt es einen alten Schneidertrick, um einen möglichen Blutstropfen auf dem Kleidungsstück zu entfernen: nimm Spucke. Dein Blut kann am leichtesten mit deiner Spucke entfernt werden! Ein bisschen Spucke auf ein Taschentuch und vorsichtig den Fleck wegtupfen. Alles gut.

 

Knöpfe mit der Nähmaschine annähen

Ich liebe, liebe, liebe es, Knöpfe mit der Nähmaschine anzunähen. Gerade bei Hemdblusen. Das geht ganz einfach, denn es gibt dafür einen Knopf-Fuß, in den der Knopf so eingelegt wird, das die Maschine mit rechts-links-Stichen den Knopf annäht. Zur Sicherheit lasse ich das Programm immer zweimal hintereinander laufen und bin ganz entzückt, wie schnell das geht.

Das funktioniert aber leider nur für Knöpfe ohne Steg. Da meine Perlmutknöpfe von oben schön sind, das heißt, der Faden zum Annähen ist nicht zu sehen, müssen sie von unten durch den Steg angenäht werden und das kann selbst meine wunderbare elna excellence nicht. Nun denn,  mit der Hand annähen ist auch nicht so schlimm, wenn nebenher ein spannender Podcast auf den Ohren ist. Aber mit der Nähmaschine Knöpfe annähen ist natürlich viel, viel schneller.

Immer noch Angst vor Knopflöchern? Dann nimm doch Druckknöpfe!

Vielleicht gruselt dich der Gedanke, in ein so gut wie fertiges Kleidungsstück zu schneiden oder vielleicht misstraust du deiner Nähmaschine und du möchtest trotzdem gerne eine Kimonobluse oder ein Kimonokleid nähen? Na, dann nimm doch Druckknöpfe. Jeanshemden haben auch Druckknöpfe! Wieso also nicht!

Falls du aber nun ganz heiß auf Hemdblusen mit vielen Knopflöchern geworden bist und deiner jetzigen Nähmaschine misstraust, wäre es vielleicht an der Zeit, über eine neue Nähmaschine nachzudenken. Geh mal in einen Nähmaschinenladen und probiere dort automatisierte Knopflöcher wie oben im Film gezeigt. Ich schwöre, du wirst nachts davon begeistert träumen!

Nur noch Säumen, dann ist die Bluse fertig!

Da die Kimonobluse einen hübsch geschwungenen Saum hat, wird der Saum noch ganz knapp doppelt umgeschlagen und festgenäht. Wenn der Saum ordentlich umgebügelt ist, ist das ganz schnell gemacht. Ich mag es sehr, dass ich bei meiner elna excellence 780 die Nadel so wie ich will nach links und rechts verschieben kann, so dass ich wirklich ganz knapp an der umgeschlagenen Saumkante nähen kann. Wenn mir das sehr ordentlich gelingt, bin ich immer schwer entzückt!

Fertig! Die Kimonobluse ist fertig und ich finde sie ganz wunderbar. Ich möchte eigentlich sofort die nächste Kimonobluse nähen und bin noch unschlüssig, ob ich lieber eine hellblaue Bluse hätte oder eine Weiße mit Lochstickerei oder beides? Ich könnte auch einen Schnittmusterhack machen und die Bluse auf eine „normale“ Blusenlänge kürzen. Mmmhh, ich weiß nicht. Was für eine Kimonobluse hättest du gerne?

Weiß? Hellblau? Was für eine Kimonobluse nähe ich nur als nächstes?

Du kennst Teil 1 und Teil 2 der Mini-Blogserie zur Kimonobluse noch nicht? Einfach weiterscrollen oder die Links anklicken, dann erfährst du mehr über meine Anpassungen des Schnittmusters und das Nähen meiner gestreiften Kimonobluse, die von Weitem ganz rosa aussieht.

Eine Kimonobluse nähen … (Teil2)

Eine Kimonobluse oder ein Kimonokleid näht sich nicht mal eben so. Im Vergleich zu einem Shirt ist da richtig viel zu tun. Aber ich finde, der Aufwand lohnt sich. Weil ich so begeistert von meiner neuen Kimonobluse bin, lade ich dich dazu ein, mir in einer kleinen Blogserie – dies ist schon der dritte Teil –  beim Nähen über die Schulter zu schauen. 

Manchmal treibt mich das Nähen schier in den Wahnsinn. Mit dieser Kimonobluse ging mir das auch ein paar Mal so. Aber auch wenn es manchmal hart ist, es lohnt dran zu bleiben und einfach Schritt für Schritt weiter zu machen, auch wenn du das Ding manchmal gerne in die Ecke knallen würdest.

Ich glaube, wir Hobbyschneiderinnen haben einfach zu wenig Gelegenheit, Routine zu entwickeln. Klar werden wir von Werk zu Werk besser, aber bei mir ist es auf jeden Fall so, dass ich zu selten nähe, um wirklich souverän und gut zu nähen. Umso erstaunlicher, dass ich es trotzdem schaffe, solche tollen Kleidungsstücke zu nähen.

Kimonobluse rotweiß gestreift von hinten

Das Rückenteil wird aus fünf Teilen gepuzzlet

Der Anfang des Nähens bei einer Kimonobluse begeistert mich immer, denn zunächst wird das Rückenteil aus fünf Teilen zusammengepuzzlet. Das geht schnell und ist spannend, denn schon beim Nähen spürst du die Besonderheiten des Designs. Mich begeisterte diese Konstruktion immer wieder, denn sie zaubert aus sich heraus eine tolle Silhouette und das Rückenteil im schrägen Fadenlauf macht die Bluse so bequem.

Als nächstes bügelte ich die Einlage auf die Knopfleiste. Nachdem ich schon einmal den Fehler gemacht hatte, die Einlage auf die falsche Stoffseite zu bügeln, passte ich dieses Mal genau auf, denn die Einlage wird auf die rechte Stoffseite gebügelt. Da die angeschnittene Knopfleiste umgeschlagen wird ist das schon richtig, aber es geht natürlich nur so, wenn der Stoff zwei schöne Seiten hat. (Hast du einen Stoff mit einer wenig ansehnlichen Rückseite, dann bügelst du die Einlage auf die linke Stoffseite und schlägst die Knopfleiste nach innen um. Geht auch und fällt vermutlich niemand auf, das es anders ist, als im Original)

Schulter und Kragen sind raffiniertes Design mit kleinen Tücken

Dann kommen die Schulternähte. Ich mag das, wie das an der Kimonobluse gelöst ist, dass die Schulternaht gleichzeitig verstärkt und mit einem kleinen Stoffstück verdeckt wird. Beim Zuschnitt ist penibel darauf zu achten, wirklich genau zu schneiden und in diesem Bereich ist es hilfreich, die Nahtlinie einzuzeichnen, dann fällt die Ecke am Kragensatz leichter. Wenn du ganz genau auf den Nahtlinien nähst, dann passen die Teile gut zusammen, aber schon ein wenig Abweichung macht große Schwierigkeiten. Wenn ich den Kragen annähe, muß ich oft trennen. Meist klappt eine Seite auf Anhieb und die zweite wird ständig Murks. Keine Ahnung ob das irgendwann mal besser wird, wahrscheinlich fehlt mir auch nach sechs Kimonokleidern immer noch die Übung, weil die Abstände zwischen den Nähprojekten immer zu lange sind.

Wer wie ich die Nahtlinie beim Zuschnitt nicht ordentlich angezeichnet hat, muß nach dem ersten Mal Trennen fett mit Kreide markieren, damit es beim zweiten Mal klappt.

Das nächste nette Feature ist der Schrägstreifen, mit dem die Kragenansatznaht innen verdeckt wird. Theoretisch ganz leicht, praktisch manchmal auch zum Fluchen. Mir helfen viele Stecknadeln und Ruhe. Aber hinterher finde ich das Ergebnis sehr schön. Das ist eines dieser innenliegenden Features eines selbstgenähten Kleidungsstückes, die andere nie zu sehen bekommen, die mich aber immer glücklich machen, wenn ich das Kleidungsstück in die Hand nehme oder es einfach schön aussieht, wenn es auf dem Bügel hängt.

Nach dem Kragen kommen die Ärmel. Webware Ärmel einsetzen gelingt mir auch nicht immer auf Anhieb. Bei dieser Bluse hatte ich mir vorgenommen, die Schultern etwas schmaler zu machen, was das Einsetzen der Ärmel erschwerte, aber mit Geduld und Spucke waren sie dann auch irgendwann drin und damit hatte ich schon etwas in der Hand, was tatsächlich schon wie eine Bluse aussah. Yeah.

Aber dann! Kaum hatte ich die Ärmel ordentlich eingenäht passierte mir ein Mißgeschick. Ich wollte die Ärmelnaht und die Seitennaht in einem Rutsch versäubern und schnitt mit dem Messer der Overlock in den Ärmel. Verdammt! Jetzt war ich so weit gekommen und dann das.

Ich entschied mir für Flicken statt einen neuen Ärmel zuzuschneiden, denn den Rest des Stoffes, wollte ich mir für eine ungeknitterte Knitterbluse aufheben. Ein Versuch war es wert und was soll ich sagen: auch wenn der unterlegte und mit Zickzack befestigte Patch nicht wirklich professionell und keineswegs unsichtbar angenäht ist, sieht es am fertigen Kleidungsstück weitaus weniger schlimm aus, als auf diesem Foto, denn der Flicken sitzt quasi unter der Achsel. Aber ein Schock war es trotzdem!

Findetuning im Brustbereich

Die finale Anpassung des Brustbereiches mache ich erst nach dem Einsetzen der Ärmel, weil sich unser Körper nunmal bewegt und der Ärmel auch seine Wirkung auf das Vorderteil hat. Um die Kimonobluse im Brustbereich anzupassen, zog ich den BH an, den ich auch später unter der Bluse tragen wollte, denn bei unterschiedlichen BHs kann sich die Form und Lage der Brust verändern.

Ich wendete die Bluse auf links und steckte mit Stecknadeln den Brust- und Taillenbereich so ab, wie ich es mir vorstellte. Wohlwissend, dass ich mich oft schrittweise dem Ergebnis nähere und es nicht leicht ist, das Runde an das Eckige zu nähen, heftete ich zunächst meine Änderungen (dh. ich nähte mit großem Stich aber ohne Anfang und Ende der Naht zu versäubern). Erst, als die Heftnaht perfekt war, nähte ich sie mit der normalen Stichlänge noch einmal nach und versäuberte auch erst dann diese Naht mit der Overlock.

Das reichte dann auch erst mal wieder. Die Säume und die Knopfleiste hob ich mir für einen anderen Tag auf, um zwischendurch neue Kraft zu schöpfen. Immerhin hatte ich jetzt schon etwas, das verdammt nach einer sehr hübschen Kimonobluse aussah und mich immer glücklich machte, wenn ich sie, auf einen Bügel aufgehängt sah.

Zu den Knopflöchern schreibe ich noch einen Blogbeitrag. Stay tuned! Die ersten beiden Folgen der Mini-Serie zur Kimonobluse findest du hier und hier.