Abnäher zusammenlegen

Meine Mailadresse heißt fragen ät crafteln und das ist ernst gemeint. Ich freue mich immer, wenn ich Fragen beantworten und behilflich sein kann, auch wenn ich es nicht immer schaffe, zeitnah zu antworten. Warum ich gerne Fragen beantworte? Nun einer der Gründe ist, dass ich mich langsam zur Fachidiotion entwickele. Das liegt vermutlich am “Buch-im-stillen-Kämmerlein-schreiben” was sich ganz anders anfühlt als zu unterrichten, denn dann habe ich euch als Gegenüber. Umso schöner, wenn eine Frage kommt, bei der ich mir ganz konkret überlege, wie ich sie beantworten könnte. Damit alle was davon haben, schreibe ich einfach dazu einen Blogartikel. 

Blogleserin Beate frage mich, wie sie Taillenabnäher im Rückteil eines Schnittmusters zusammenlegen könnte. Sie schrieb, dass sie gerne eine Spitzenbluse nähen möchte und ich schloß daraus, dass sie vermutlich das schöne Muster nicht mit den Abnähern “zerstören” möchte. Spontan antwortete ich “Abnäher sind Freunde”, also Abnäher haben ihren Sinn und Zweck. Es lohnt sich, dafür das Muster in Ruhe zu lassen!

Abnäher bringen ein Kleidungsstück in Form

Ohne Abnäher gibt es keine figurbetonte oder figurumschmeichelnde Kleidung. Ohne Abnäher produzieren wir leider Säcke. Abnäher bringen ein Kleidungsstück in Form, weil sie an einer Stelle den Stoff zusammen nehmen, damit an anderer Stelle mehr Stoff ist.

Im konkreten Fall fragte die Leserin nach Taillenabnähern im Rückteil. Vielleicht kennst du diese senkrechten Abnäher links und rechts von der hinteren Mitte von Etuikleidern. Das sind enge, figurbetonte Kleider, die eben gerade deswegen die Körperform nachzeichnen, weil sie Abnäher haben.

 

Immer dann, wenn wir keinen Sack produzieren wollen, sondern ein wohlgeformtes Kleidungsstück würde ich dazu raten, das Muster zu zerschneiden, auch wenn es weh tut und Abnäher oder Teilungsnähte zu nutzen. Ich würde darauf wetten, dass sich niemand über ein zerschnittenes Muster beschwert, aber viele zur Kenntnis nehmen, dass ein Kleidungsstück gut sitzt.

Mehr Abnäher bringen mehr

Mehr ist mehr! Mit dem umgekehrten Spruch habe ich es nicht so. Mehr Abnäher bringen auch mehr Form. Das liegt daran, dass unser Körper rund ist. Wenn wir nun nur an einer Stelle Weite weg nehmen, damit an anderer Stelle mehr ist, dann kann das komisch aussehen. Eine besonders gute Figur macht ein Kleidungsstück, wenn die Abnäher genau dort sind, wo sie gebraucht werden. Bei der Taillenreduzierung im Rückteil ist das eben nicht (nur) an der Seitennaht, sondern auch “am Rücken”, also in der Mitte und links und rechts daneben. Wenn mehrere Abnäher eingesetzt werden, dann wird über die Rückenbreite verteilt Weite weggenommen. Das macht eine schöne Form, denn mehr ist mehr.

Merke: reduziere die Taille nicht nur an der Seitennaht, sondern dort, wo es wirklich passend für dich ist und das ist ganz bestimmt auch im mittleren Bereich des Rückteils.

Abnäher sind Design

Aber Abernäher sind auch Design. Die Designerin hat sich etwas dabei gedacht, als sie die Abnäher dort platzierte. Neben der reinen Funktion fand sie dieses Detail vielleich auch einfach schön und sagte sich “diese Bluse spendiere ich doch gleich mal vier Rückenabnäher, weil ich das schick finde”. Ich finde Abnäher auch sehr schick und verliebe mich in Designs ganz oft, weil mir die Lage oder der Winkel eines Abnähers besonders gut gefällt. Das ist auch der Grund, wieso ich gerne Schnittmuster anpasse und nicht selbst konstruiere: auf manche Sachen komme ich einfach nicht. Wie gut, dass es Profis dafür gibt!

Ihr seht schon, ich bin ein Fan von Abnähern und wollte der Leserin, die mir die Frage stellte auf jeden Fall dazu raten, nicht auf die Abnäher zu verzichten. Dann las ich die Mail noch ein weiteres Mal und stellte fest, dass sie Abnähern gegenüber aufgeschlossen war, aber eben nicht unbedingt vier Abnäher haben wollte. Sie wollte links und rechts der hinteren Mitte aus zwei Abnähern einen machen. Gut, damit kann ich leben und glücklicherweise ist das ja auch ganz einfach.

Abnäher zusammenlegen

Komme ich nun also endlich zum Kern der Sache. Wie legst du Abnäher zusammen um aus zwei Abnähern einen Abnäher zu machen? Kein Problem: du misst den Abnäherinhalt beider Abnäher an der breitesten Stelle aus, addierst die beiden Abnäherinhalte und suchst dir einen neuen Ort für den neuen, größeren Abnäher. Dieser Ort könnte genau zwischen den beiden im Schnittmuster vorgesehenen Abnähern sein.

“Könnte”? Ja, könnte. Das schrieb ich deswegen, weil die Erklärung zwar korrekt ist, ich es aber trotzdem anders machen würde.

Mach die Abnäher so, wie du sie brauchst!

Zunächst würde ich erst einmal kontrollieren, ob die Höhe der Abnäher für mich vorteilhaft ist. Der breiteste Punkt des rautenförmigen Taillenabnähers sollte an der Taille liegen. Aber wo ist die Taille? Die Taille ist entweder die schmalste Stelle deines Körpers oder die Stelle, an der die Taillienrundung eines Kleidungsstücks für dich schön wäre, selbst wenn dort ein paar Pölsterchen an deinem Körper wohnen. Ein Kleidungstück kann deine Silhouette modellieren und du darfst bestimmen, wo die Taille ist. Also lege die Taille mit einem Gürtel fest und lass dir von jemand die Rückenlänge entweder an der hinteren Mitte oder aber von der Schulter bis zur Taille messen. Dann überprüfst du, ob die Rückenlänge des Schnittmusters für dich gut ist und zeichnest die optimale Taillenlage für dich im Schnittmuster ein. Dort muß dann die breiteste Stelle des Abnähers liegen.

Als nächstes lässt du den hinteren Taillenumfang messen und kontrollierst den hinteren Taillenumfang im Schnittmuster. (Von Seitennaht zu Seitennaht auf der Höhe der Taille gemessen.) Damit du keine Wursthaut nähst, addierst du etwas Bequemlichkeitszugabe zu deinem hinteren Taillenumfang hinzu. Wieviel das ist, das kommt auf den Stoff und deine Vorlieben an. Dann kannst du berechnen, wie breit der Taillenabnäher sein sollte, damit er für dich bequem und schick ist. Vielleicht begradigst du die Taillenrundung oder zeichnest sie komplett neu ein, weil die Delle für dich sowieso nicht an der richtigen Stelle liegt. Vielleicht errechst du auch nur einen minimalen Abnäherinhalt (weil du eben kein Hohlkreuz hast) und überlegst, ob es sich überhaupt lohnt, Abnäher zu nähen. Vielleicht hast du so viel Abnäherinhalt, dass du diesen lieber auf vier statt auf zwei Abnäher verteilst. Wer weiß! Es ist dein Körper und dein Nähwerk – du bist die Designerin!

Ganz einfach geht es mit einer Naht in der hinteren Mitte

Hat ein Schnittmuster eine Naht an der hinteren Mitte, dann kannst du eine Anpassung auch ohne zusätzliche Abnäher machen. Du passt das Schnittmuster oder  das Kleidungsstück nach dem Zusammennähen einfach an der hinteren Mitte an. Damit verteilst du zwar nicht die Weitenmanipulation auf wahnsinnig viele Stellen, aber immerhin auf drei: hintere Mitte und links und rechts an der Seitennaht. So geht es schnell und einfach. Das ist der Grund, wieso so viele unserer Schnittmuster eine Naht an der hinteren Mitte haben z.B. der Stadtmantel, das Ninjashirt, das Knitterkleid und das Tulpentop. Mit einer Anpassung an der Taille machst du von hinten immer eine gute Figur!

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