Marathon-Nähen, ein mysteriöses Verschwinden, ein Unfall und die Rettung

(Beitrag enthält Werbung) Die AnNÄHerung hatte dieses Jahr Jubiläum. Fünf Jahre lang treffen sich schon ca. 40 Frauen an einem Wochenende im Januar in der Jugendherberge in Bielefeld, um gemeinsam zu nähen – ein tolles Event, organisiert von Frau drehumdiebolzeningenieur, Frau mamamachtsachen und Frau alle-wünsche-werden-war. (Siehe Nachtrag am Ende des Blogbeitrags.) Seit 4 Jahren bin ich dabei und der Termin ist mir heilig. Mit anderen gemeinsam zu nähen, sich um nichts alltägliches kümmern zu müssen und alte Bekannte, die wir uns nun schon so lange vom Bloggen, aber auch von zahlreichen Begegnungen kennen wieder zu treffen, ist einfach wunderbar. 

Dieses Mal reiste ich mit dem Auto und konnte so nicht nur viel Stoff sondern auch beide Nähmaschinen mitnehmen. Gute Entscheidung!

Weil ich sonst wirklich wenig Zeit zum Nähen habe und oftmals auch wertvolle Nähzeit verschwende, weil ich mangels Nähzimmer immer alles auf- und abbauen muß, habe ich stets ambitionierte Pläne für das Nähen in Bielefeld. Dieses Mal wollte ich nicht nur den langgehegten Plan, eine gestreifte Kimonobluse und ein weiteres Knitterkleid zu nähen realisieren, sondern auch die Gelegenheit nutzen, gemeinsam mit Frau Nahtzugabe, die für die crafteln-Schnittmuster die Anleitungen schreibt, drei Prototypen zu nähen, um nebenher alles Feinheiten der dazugehörigen Anleitungen zu besprechen.

Welche Knöpfe passen besser zur feingestreiften Kimonobluse?

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Am Freitag Abend startete ich mit der rot-weiß gestreiften Kimonobluse. Doch als ich sie ungefähr zur Hälfte fertig hatte merke ich, dass ich vergessen hatte einen „guten“ BH einzupacken, um die Passform zu kontrollieren. Ich unterscheide zwischen BHs für die Freizeit (etwas bequemer) und BHs für schick und da die Bluse natürlich schick werden sollte, ist für das Finetuning auch unbedingt die Sorte BH nötig, die ich auch später dazu tragen werde. Wie gut, dass ich genügend Projekte dabei hatte! Weiter ging es mit den Proto-Shirts. „Fein,“ sage ich nur!

Und dann das große Projekt. Für den Herbst ist nach den Erfolgserlebnissen für den Frühling wieder ein Schnittmuster der Meisterklasse geplant. Damit die Meisterklasse-Anleitung trotzdem so wird, dass auch weniger geübte Näherinnen sie meistern können, wollten wir am Samstag ruhig und gründlich alles vorbereiten. Doch dann der Schock: Plötzlich fehlten zwei zugeschnittene Stoffteile samt des Schnittmusterteils aus Papier. Wir durchsuchten jeden Winkel diverse Male – nichts! Es war unmöglich an dem tollen Projekt weiter zu arbeiten.

Hat vielleicht eine von euch meine fehlenden Teile?

Ich war wütend und echt enttäuscht! Auf dieses Projekt hatte ich mich schon so lange gefreut. Frau Nahtzugabe und ich waren sicher, dass die verschwundenen Teile am Morgen, als wir die Vorgehensweise durchsprachen, da waren. Doch sie blieben unauffindbar. Ich lief zum Auto, um den Kofferraum zu untersuchen, ich telefonierte mit meinem Mann, der sie zuhause suchte und ein paar Tage später, wieder zurück in Hamburg suchte ich sie im Büro, wo ich am Konferenztisch zugeschnitten hatte. Die Stoffreste waren noch im Mülleimer, aber die zwei Teile die ich vermisse, sind wie vom Erdboden verschluckt.

Aber ich hatte ja glücklicherweise noch ein zugeschnittenes Knitterkleid mit in Bielefeld. Den Stoff fand ich kurz vor der AnNÄHerung in meinem Lager. Den hatte ich tatsächlich schon vergessen und war begeistert über meinen schönen Fund. Ein hellblaues Baumwoll-was-auch-immer-Gemisch, leicht glänzend, spannende Struktur, tolle Farbe, perfekt für ein ungeknittertes Knitterkleid. Wozu gibt es Frau Nahtzugabe, die das tolle Materiallexikon „Stoff und Faden“ schrieb. Wir machten eine Brennprobe: Baumwolle auf jeden Fall, Viskose vermutlich und ein klitzekleines bisschen Kunstfaser für die besseren Trage- und Pflegeeigenschaften. Ein Stoffschätzchen!

Wenn schon Drama, dann aber richtig!

Ich nähte das Kleid ratzfatz zusammen, denn mit Knitterkleidung habe ich Übung. Für die letzten Anpassungen zog ich es über und ging zum Spiegel. Ups, ganz schön spack! An der Brust saß es merkwürdig eng. Ich hatte beim Zuschnitt etwas geändert, war aber unterbrochen worden und hatte vermutlich nicht konsistent geändert. Mist! Aber das, was ich im Spiegel sah, ließ mich schwärmen. Das würde das schönste Kleid ever werden! Ach, was freute ich mich darauf! (Ihr kennt das, oder? Das Neuste ist immer das Schönste…)

Aber vorher mußte die Passform noch optimiert werden. An allen Nähten, die ich noch nicht gekettelt hatte, ließ ich so viel raus, wie es nur ging. Schon besser! Gut! Als ich die letzte Naht versäubern wollte passierte das Unglück: ich fasst den Stoff falsch und schnitt mit dem Messer der Overlockmaschine in das Rückenteil. Oh nein!

Oh nein! Ein Loch im Rückenteil auf Höhe des Brustabnähers!

Ich war sowas von frustriert! Wie könnte ich dieses Traumkleid nun retten? Ein Stück Stoff einsetzen oder aufnähen? Nein! Ich liebe doch die geschwungene Naht der Rückenpartie am Knitterkleid so sehr. Das hätte das Design komplett zerstört!

Der Therm*mix unter den Nähmaschinen rettet mein Kleid

Doch dann besann ich mich. Ich hatte doch die „dicke Elna“, wie ich meine Excellence 780 zärtlich nenne, dabei! Noch habe ich bei Weitem noch nicht alles ausprobiert, was die dicke Elna kann, aber ich erinnerte mich, in der Anleitung irgendetwas über das Stopfen gelesen zu haben. Würde das mein Problem lösen?

aus der Bedienungsanleitung der elna excellence 780

Auf einem Nähtreffen gibt es genügend Stoff, so konnte ich an einem Stück Baumwollwebware das Stopfen mit der Nähmaschine testen. Ich hatte die Bedienungsanleitung nicht mit, aber das war kein Problem: das Display der Nähmaschine führte mich durch den Prozess. Zunächst war ich irritiert, dass ich dazu den Knopflochfuß nehmen sollte, aber klar, das ist wie ein kleiner Stickrahmen. Es gab verschiedene Einstellmöglichkeiten, aber mit der automatischen Voreinstellung, wurde es am schönsten. Normalerweise hätte ich in beide Richtungen gestopft, d.h. den Stoff um 90 Grad gedreht. Da aber mein Stoff so in sich gestreift war, versuchte ich exakt diese Streifen zu treffen. Da ich ein Stück Stoff zur Verstärkung untergelegt hatte, gehe ich davon aus, das so stabil genug ist. Ich bin begeistert. Das ging nicht nur total einfach, sondern sieht auch noch wirklich unauffällig aus. Ok, ich weiß, dass da dieser Flicken ist und das werde ich vermutlich auch nicht vergessen, aber andere werden es ganz sicher nicht bemerken und es wird wirklich ein ganz bezauberndes Kleid, wenn es denn irgendwann mal fertig wird. Wie gut, dass ich die dicke Elna habe!

Ich seh etwas, was du nicht siehst…

Nähwochenenden sind einfach das Größte!

Zum Ende des gemeinsamen Wochenendes, am Sonntag Mittag, war ich müde und verärgert. Ich hatte kein richtiges Kleidungsstück fertig bekommen, bei einem Shirt den Saum verhunzt, das große Projekt nicht machen können, weil Teile fehlten und zu guter Letzt noch das schönste-Kleid-ever zerschnitten. Vor lauter Müdigkeit – wir hatten beide abende bis nachts um halb zwei genäht – konnte ich mich über die Rettung mit der Stopffunktion gar nicht freuen. Grummelig verließ ich das Nähwochenende, aber mit etwas Abstand bin ich beseelt. Es gibt wahrlich keinen Grund, sich zu ärgern, denn es war einfach toll, gemeinsam zu Nähen und es ist zu Recht der Höhepunkt des Jahres. Nächstes Jahr, bin ich ganz sicher wieder dabei, denn Nähwochenende sind einfach wunderbar!

(Dieser Beitrag enthält Werbung für meine mir von elna im Rahmen unserer Kooperation zur Verfügung gestellten Nähmaschine elna excellence780, für das Materiallexikon, das du hier im Schnittmusterkiosk kaufen kannst und indirekt auch für die Nähcamps für deren Empfehlung ich eine kleine Provision bekomme. Ich war echt froh, doch mit dem Auto statt mit dem Zug gefahren zu sein und deswegen die neue Nähmaschine nutzen zu können. Insofern war ich wirklich begeistert, als mir die dicke elna das Kleid rettete. Und egal, ob ein Nähwochenende AnNÄHerung, Nähcamp oder ganz anders heißt – ich kann es nur empfehlen. Und wenn du jetzt auch Lust darauf bekommen hast, *klick* hier, dann kommst du zu meinem Beitrag weiter unten über die Nähcamps oder schau hier bei mamamachtsachen, die auch noch weitere Events organisiert.)

edit:

Wie konnte ich nur die Organisatorinnen der AnNÄHerung,  Frau drehumdiebolzeningenieur, Frau mamamachtsachen und Frau alle-wünsche-werden-war vergessen! Vor lauter Geschichte erzählen, habe ich nicht bemerkt, dass es mehr als nur höflich gewesen wäre auch zu erzählen, dass das privates Engagement ist, das dieses nicht kommerzielle Nähbloggerinnentreffen nun schon fünf Jahre lang ermöglicht. Das war blöd von mir und dafür entschuldige ich mich! Ich bin wirklich dankbar für das Engagement und weiß, wie viel Arbeit die Organisation ist, deshalb habe ich es oben im Text noch mal ergänzt und schreibe diesen Nachtrag. Danke an euch Drei! 

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2 Kommentare

  1. Oh nein, was für ein Drama, da war aber wirklich der Wurm drin! Ich kann deinen Frust und die Wut gut nachvollziehen, bei meinem letzten Nähwochenende habe ich mir auch mit der Ovi ein Loch in ein Shirt geschnitten, das ich dann ganz raffiniert retten musste (ohne Elna an der Seite). Ein Gutes hatte es allerdings: einer Freundin, der letzte Woche das gleiche passiert ist, konnte ich gut beistehen.
    Lg
    Sandra

    • Meike Rensch-Bergner

      Beistehen ist gut, liebe Sandra. Ich weiß auch nicht, was ich mit dem Kleid gemacht hätte, wenn das zuhause passiert wäre statt im gleichen Raum wie Nähfreundinnen. Doch, ich weiß es. Wahrscheinlich hätte ich es in die Ecke geknallt und nach zwei Jahren weggeschmissen. So ist es besser!
      Viele Grüße
      Meike

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