Warum eigentlich Kimonokleid?

Mema hat gestern eine ganz tolle Version des Kimonokleids beim MMM gezeigt, nannte es Westernkleid und – wie so viele von euch – fragte sie, warum das Kimonokleid denn eigentlich Kimonokleid heißt. Nun denn, dann will ich das beantworten, auch wenn ich heute auch ein kariertes Kimonokleid bei rums zeige, das einem Cowgirl alle Ehre macht.

Ich finde es wahnsinnig spannend zu erfahren, wie und warum jemand auf eine gute Idee gekommen ist. Das ist manchmal im Nachhinein gar nicht so einfach zu sagen, speisen sich doch die meisten guten Ideen aus verschiedenen Inspirationen. Als ich die Designerin des Kimonokleides, Lindy Stokes fragte, was sie zum Kimonokleid inspirierte, erzählte sie mir folgendes:

„In meinen Augen ist der Kimono das elegantestes Kleidungsstück“, sagte sie. Schon lange war sie von Kimonos fasziniert, aber sie passten schlichtweg nicht zu ihrer Philosophie: Kleidung soll nicht nur schön anzusehen sein, sondern Kleidung muss funktionieren und zum Leben passen. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass das mit einem richtigen Kimono in unserem heutigen Alltag nicht wirklich funktioniert.

Deswegen wollte Lindy ein Kleidungsstück, wie sie sagt, „von ähnlicher Eleganz aus sich selbst heraus“ entwerfen, das aber funktionaler ist, als ein Kimono und trotzdem an einen Kimono erinnert, wenn frau genau hinschaut.

Ein wirklich gutes Wickel-Kleidungsstück für eine Kollektion zu entwerfen, das allen Frauen gut passt und alle Bewegungen mitmacht ohne sich selbständig zu machen, ist nicht einfach, deswegen behielt sie den Look des Kragens und entschied sich aber für eine praktischere Knopfleiste an Stelle eines mit Gürtel zusammengehaltenen, gewickelten Vorderteils. Wenn ihr das Kimonokleid tragt, dann merkt ihr, dass das Kimonokleid auch weitere Ärmel hat, als viele andere Kleider. Auch diese erinnern noch an die ursprüngliche Idee.

Der Gedanke, „Eleganz – aus sich selber heraus“ leitete Lindy bei ihren weiteren Überlegungen zu dem neuen Kleidungsstück und sie entschied, dass es Designlinien bekommen sollte, die den weiblichen Linien schmeicheln, ohne sie einzuengen. Teilungsnähte zeichnen die weiblichen Formen nach und sind für sich schön – egal, ob das Kleid sehr körpernah oder lässig geschnitten ist. Frauen sollen schön sein und sich bewegen können!

Das Zaubermittel des Kimonokleides ist der schräge Fadenlauf an strategischen Stellen. Das Rückenteil ist im schrägen Fadenlauf geschnitten und schafft Bewegungsfreiheit für Arme und Schultern. Die Linien, die zeigen, wo die einzelnen Schnittteile zusammengesetzt sind und geben Kontur – Eleganz aus sich selbst heraus. Auch die oberen, seitlichen Vorderteile sind im schrägen Fadenlauf. Das ist nicht ganz einfach zu nähen, erzeugt aber eine schöne Brustrundung und zusätzliche Bequemlichkeit, auch wenn das Kleidungsstück eng und auf Figur gearbeitet ist, wie Eluvia mit ihrer Kimonobluse gestern schön zeigte.

Mein, schon im Frühling 2012 genähtes, jeden Winter gerne getragenes, kariertes Kimonokleid mag auf den ersten Blick auch eher an Western erinnern und den Kimono nicht raushängen lassen, das mag sein. Aber es ist ein Kimonokleid, das durch sein Karo die Designlinien schön zur Geltung bringt. Obwohl ich es (in meiner Petticoatphase) eine Zeit lang nur mit Gürtel trug, bevorzuge ich es dieses Jahr lieber ohne. Denn auf den zweiten Blick, hat dieses Kleid eine „Eleganz aus sich selbst heraus“, die ich liebe. Und wahnsinnig bequem und muckelig ist es zudem.

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Fotos von Monika Lauber

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